Specialized produzierte Anfang der 1990er Jahre rund 1.500 Exemplare des Flaggschiffmodells S-Works Epic Ultimate. Diese begehrten Bikes zeichneten sich durch von Merlin Metalworks gefertigte, WIG-geschweißte Titanmuffen und von Hand in der Specialized-Zentrale in Morgan Hill, Kalifornien, eingeklebte Carbonrohre aus.

Inhaltsverzeichnis

  1. Das Specialized Epic Ultimate: Der heilige Gral der Retro-Mountainbikes
  2. Entwicklungsgeschichte: Handwerkskunst von Merlin Metalworks und Jim Merz
  3. Rahmendetails & Konstruktion: Der Mix aus Titan und Carbon
  4. Experten-Eindrücke: Wie fuhr sich das High-End-Hardtail von 1992?
  5. Technische Daten im Überblick
  6. FAQ: Häufige Fragen zum Specialized S-Works Epic Ultimate

Specialized Epic Ultimate (1992): Die Geburt der S-Works-Legende

Wenn Du in den frühen 90er-Jahren durch die Mountainbike-Mags geblättert hast, gab es genau ein Bike, das feuchte Träume bei jedem MTB – Fan auslöste: Das Specialized Epic Ultimate. Dieses Meisterwerk schlug die Brücke zwischen handwerklicher Rahmenbaukunst und futuristischer Materialtechnologie. Es war keines dieser fließbandgefertigten Katalogräder, sondern das kompromisslose Flaggschiff der frisch geborenen S-Works-Sparte. Ein Bolide, der nie dazu gedacht war, schwarze Zahlen einzuschreiben, sondern schlicht die Speerspitze dessen zu zeigen, was auf zwei Rädern machbar war.

Das Specialized Epic Ultimate: Der heilige Gral der Retro-Mountainbikes

Ende der 80er und Anfang der 90er war die Szene von wilder Experimentierfreude geprägt. Während viele Hersteller noch auf stählerne Tange- oder Columbus-Rohrsätze setzten, gingen die Entwickler in Morgan Hill, Kalifornien, einen völlig eigenen Weg. Zwischen 1990 und 1995 entstanden insgesamt nur schätzungsweise 1.500 Exemplare des Epic Ultimate.

Ihren unsterblichen Kultstatus verdankt die Maschine nicht zuletzt Ned Overend. Das Bild des schnurrbärtigen „Deadly Neddle“, wie er 1990 in Durango, Colorado, auf seinem S-Works Epic Ultimate zur allerersten offiziellen UCI-Cross-Country-Weltmeisterschaft flog, brannte sich tief ins Gedächtnis einer ganzen MTB-Generation ein.

Entwicklungsgeschichte: Handwerkskunst von Merlin Metalworks und Jim Merz

Hinter dem Epic Ultimate steckte keine namenlose Ingenieursgruppe, sondern der legendäre Rahmenbauer Jim Merz. Merz, der ursprünglich in Portland, Oregon, filigrane Custom-Rahmen und Kettenblätter fertigte, stieß 1982 zu Specialized.

Specialized-Gründer Mike Sinyard erinnert sich noch heute genau an Merz’ Bedeutung für die Marke:

„Jim war ein unglaublich vielseitiger Handwerker – egal ob es um Rahmen, Kettenblätter oder Werkzeuge ging. Er war die ursprüngliche DNA der Marke Specialized. Er schaffte es zwar nie in die Hall of Fame, weil er keine Rampensau war, aber er war der Mann der Praxis. Ein echter Innovator.“

Die Fertigung des Rahmens war extrem aufwendig:

  • Titan-Muffen von Merlin Metalworks: Die TIG-geschweißten Titanmuffen wurden extern gefertigt und spitz zulaufend abgefräst, um einen eleganten Übergang zu gewährleisten.
  • Handverklebung im Hauptquartier: In Morgan Hill verklebte ein einziger Specialized-Mitarbeiter – Brian Lucas – die gewickelten Carbonrohre von Hand mit den Titanmuffen.
  • Geringe Stückzahl: Maximal zwei Rahmen konnten pro Tag fertiggestellt werden. Wirtschaftlich war das Projekt für Specialized ein Verlustgeschäft – technologiedidaktisch jedoch ein Geniestreich.

Rahmendetails & Konstruktion: Der Mix aus Titan und Carbon

Wenn Du das Unterrohr oder die Sitzstreben des Epic Ultimate betrachtest, fällt sofort der filigrane Übergang ins Auge. Der Rahmen wog gerade einmal knapp 1,2 kg (2.6 lbs) – ein Wert, der selbst heute noch Respekt einflößt.

Besonders radikal war die Formgebung des Hinterbaus: Die geschwungenen Carbon-Sitzstreben trafen auf eine winzige Kontaktfläche am Titan-Sitzknoten. Solch enge Radien wären aus reinem Titanrohr schier unmöglich zu biegen gewesen, ließen sich mit formgepresster Kohlefaser aber perfekt realisieren.

Gabel & Cockpit

  • S-Works Futureshock FSX: Eine Zusammenarbeit zwischen Specialized und RockShox. Innen lief im Wesentlichen die Technik einer Mag 21, außen überzeugte sie mit CNC-gefrästen Alu-MANTELN, Titan-Hardware und Carbon-Tauchrohren.
  • One-Off Brakearch: Der CNC-gefräste Booster an der Gabel stammt von Wayne Lumpkin (Gründer von Avid). Es war ein Dankeschön an Norris für den Erstausrüster-Spezifikationsdeal mit Avids Tri-Align Cantilever-Bremsen.
  • Titan-Guss-Vorbau & geteilter Lenker: Der Vorbau aus Feinguss-Titan war zwar leicht, aber spürbar flexibel. Der Titan-Lenker besaß direkt angeschweißte Bar-Ends. Damit Armaturen montiert werden konnten, war der Lenker mittig getrennt und wurde allein von der Klemmung des Vorbaus und einer Aluhülse zusammengehalten!
  • Altek CNC-Bremshebel: Gefräste Kunstwerke mit integrierter „Haifischflosse“, die für einen konstanten Hebelarm sorgte. Ergänzt durch Grip Shift X-Ray Drehgriffe.

Antrieb & Edel-Komponenten

  • Le Créme Titan-Kurbeln: Unglaublich seltene, TIG-geschweißte Hohlkurbeln aus Titan. Seriennummern der Kurbelarme: 0001 und 0002! Das Kurbelset samt Boone-Titan-Kettenblättern wog fahrfertig extrem wenig, war unter Last aber gruselig flexibel.
  • Shimano XTR M900 Prototyp: Das Schaltwerk zeigt verfeinerte CNC-Bearbeitung und trägt auf der Rückseite eine per Hand eingravierte Identifikationsnummer.
  • Tioga Titan-Kassette: Jedes einzelne Ritzel wurde aus massivem Titan fräsoptimiert und mit Steighilfen versehen.
  • Dean Titan-Sattelstütze & Iscaselle-Sattel: Der Sattel verfügte über Titanium-Streben, die direkt an die geprägte Titan-Sitzschale genietet waren.

Laufräder & Reifen

Mavic begründete Anfang der 90er mit dem Crossmax den Markt für Systemlaufräder. Die riesigen Kastenprofil-Felgen mit Keramik-Bremsflanken bremsten brachial, neigten aber zu Rissen an den Speichenösen. Aufgezogen sind auf dem Bike handbeschriftete Specialized-Prototypenreifen, deren Testnotizen nach all den Jahren noch auf den Seitenwänden zu lesen sind.

Gesamtgewicht dieses fahrfertigen Epic Ultimate: 8,80 kg (19.4 lbs).

Experten-Eindrücke: Wie fuhr sich das High-End-Hardtail von 1992?

Rennlegende Ned Overend gibt im Rückblick einen ehrlichen und unverfälschten Einblick in die Fahrdynamik von damals:

„Du musst das Bike im Kontext seiner Zeit sehen. Damals war es absoluter State-of-the-Art: Die RockShox-Gabeln mit ihrer hydraulischen Dämpfung arbeiteten viel kontrollierter als die Elastomere von Manitou oder Scott. Dennoch war der Federweg gering und die gesamte Front durch den gegossenen Titanvorbau recht weich. Wenn die Gabel beim harten Anbremsen vor Kurven tief eintauchte, wurde der Lenkwinkel extrem steil.

Der Rahmen selbst war jedoch spürbar steif und das Rad extrem leicht – Klettern war definitiv seine größte Stärke. Wer heute an ein vollgefedertes 29er gewöhnt ist, würde auf einem verblockten Trail mit diesem Bike schlichtweg Todesängste durchstehen.“

Technische Daten im Überblick

Baugruppe / BauteilSpezifikation & Besonderheiten (1992 Prototyp)
RahmenCarbonrohre, verklebt in TIG-geschweißten Titanmuffen (Merlin Metalworks)
Rahmengewichtca. 1.200 g
GabelSpecialized S-Works Futureshock FSX (Luft/Öl, ca. 50 mm Federweg, Custom Avid-Brücke)
CockpitFeinguss-Titanvorbau, Titan-Lenker mit integrierten Bar-Ends (geteilte Lenkermitte)
Bremsen & HebelAvid Tri-Align Cantilever, Altek CNC-Bremshebel
SchaltungShimano XTR M900 (CNC-Prototyp-Schaltwerk), Grip Shift X-Ray
KurbelsatzLe Créme Titan-Hohlkurbeln (Seriennr. 0001/0002) mit Boone-Titan-Kettenblättern
KassetteTioga Titan-Kassette
LaufräderMavic Crossmax Prototyp mit Keramik-Bremsflanken
Gesamtgewicht8,80 kg

FAQ: Häufige Fragen zum Specialized S-Works Epic Ultimate

Wie viele Rahmen des S-Works Epic Ultimate wurden gebaut?

Zwischen 1990 und 1995 wurden insgesamt etwa 1.500 Exemplare hergestellt. Da die Rahmen in Handarbeit im Firmenhauptsitz gefertigt wurden, lag der Ausstoß bei maximal zwei Stück pro Tag.

Wer hat das S-Works Epic Ultimate entwickelt?

Die Idee und Rahmenarchitektur stammte von Jim Merz, einem früheren Custom-Rahmenbauer aus Portland. Die Titanmuffen stammten von Merlin Metalworks, gefügt wurden die Rohre in Morgan Hill von Brian Lucas.

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