Das Scott Endorphin Pro Racing – Als Carbon-Monocoque im Rahmenbau Einzug hielt

Scott Endorphin Pro Racing
Scott Endorphin Pro Racing Individualaufbau (Quelle: mountainbikemuseum.nl)

In der Mitte der 90er Jahre, einer Ära des experimentellen Rahmendesigns, setzte Scott 1997 mit dem Scott Endorphin Pro Racing ein echtes Ausrufezeichen in der Welt der Retro MTBs. Nach zwei Jahren intensiver Entwicklungsarbeit präsentierte Scott ein Bike, das Leichtigkeit, Steifigkeit und Dämpfung auf völlig neue Weise kombinierte.

Ein technisches Meisterwerk: Das „Project Endorphin“

Das Herzstück dieses Klassikers war das unter dem Namen „Project Endorphin“ entwickelte Carbonchassis. Carbon war zu der Zeit im Rahmenbau noch nicht weit verbreitet und die Hersteller experimentierten mit verschiedenen Fertigungsmethoden. So erblickten zu der Zeit aus heutiger Sicht seltsam anmutende Konstruktionen das Licht der Welt. Der Rahmen des Scott Endorphin Pro Racing verfolgte dabei das eher klassische ECS-Design.

  • Monocoque-Bauweise: Im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Rahmen wurde das Scott Endorphin aus einem Stück gefertigt und nicht in Muffen verklebt. Dies ermöglichte es, die Eigenschaften der Kohlefaser optimal auszunutzen.
  • Thermobrid-Material: Die Fasern wurden je nach Belastung in exakt berechneten Winkeln angeordnet.
  • Elevated Chainstays: Ein absoluter Blickfang war der einarmige, hochgezogene Hinterbau (Elevated Chainstays, ECS), der dem Bike eine außergewöhnliche Optik verlieh.
  • Integrierter Flex: Scott attestierte dem Rahmen einen vertikalen Flex von zwei Zentimetern am Heck, was für einen spürbaren Komfortzuwachs im Gelände sorgte.

Die Ausstattung: 90er-Jahre Pragmatismus

Das Retro MTB war für den harten Renneinsatz konzipiert und glänzte mit einer funktionellen und haltbaren Ausstattung:

  • Federgabel: An der Front arbeitete die damals aktuelle, gelb lackierte Rock Shox Judy XC in der Serienausstattung.
  • Antrieb & Schaltung: Ein Mix aus Shimano Deore XT (Schaltwerk, Hebel) und Deore LX (Umwerfer, Naben) sorgte für zuverlässige Gangwechsel.
  • Bremsen: Das Bike war bereits mit den kraftvollen Shimano Deore XT V-Brakes ausgestattet.
  • Kurbeln: Stabile Sugino Impel Kurbeln rundeten das Paket ab.
  • Gewicht & Preis: Mit 11,3 kg war es für damalige Verhältnisse sehr leicht und kostete 3999 Mark.

Fahreigenschaften: „Endorphin macht süchtig“

Das Scott Endorphin Pro Racing wurde nicht umsonst vom hauseigenen Rennteam eingesetzt. In Tests punktete das Scott Endorphin in fast jeder Kategorie:

  • Vortrieb: Der Rahmen war extrem steif und setzte die Muskelkraft verlustfrei in Vortrieb um.
  • Handling: Tester lobten das neutrale Lenkverhalten und die angenehm sportliche Sitzposition.
  • Bergab-Performance: Dank der Hinterbaudämpfung und der bissigen Bremsen bot das Rad selbst im Grenzbereich viel Sicherheit und eine ruhige Straßenlage.

Fazit aus heutiger Sicht

Das Scott Endorphin war nach Erscheinen in 1997 ein professionelles Gerät für den Rennparcours, das durch sein innovatives Design und exzellente Fahreigenschaften bestach. Für Fans von Retro MTBs ist es heute ein gesuchter Klassiker, der den Übergang von klassischem Stahl und Aluminium hin zu hochmodernen Carbon-Konstruktionen perfekt verkörpert. Der damalige Preis wurde aufgrund der gebotenen Leistung fast als „Sonderangebot“ bezeichnet.

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