S-Bike Daytona 726: Der schweizerisch-italienische MTB-Exot von 1992
Wenn ein Mountainbike schon optisch aus der Reihe tanzte, dann die Bikes des Schweizer Hersteller S-Bike. Statt eines klassischen Diamantrahmens setzte S-Bike auf ein Zentralrohr-Konzept, das Steuerkopf und Hinterbau direkt verband – entworfen nicht in heimischen Werkstätten, sondern beim italienischen Rahmenspezialisten Verlicchi unter Chef-Designer Francesco Quinn. Im bike-Vergleichstest von 1992 war der Daytona 726 mit 3.390 Mark zugleich das teuerste Bike im gesamten Testfeld.

In diesem Artikel liest Du
- Steckbrief: S-Bike Daytona 726
- Rahmenkonzept: Schweizerisch-italienische Co-Produktion
- Ausstattung: Shimano Deore LX komplett
- Fahreigenschaften und Einsatzbereich
- Geometrie & technische Daten
- Einordnung: Für wen war der S-Bike Daytona 726 gedacht?
Steckbrief: S-Bike Daytona 726
| Eckdaten | Wert |
|---|---|
| Preis (1992) | 3.390 Mark |
| Rahmenmaterial | Aluminium |
| Rahmengrößen | 46, 49, 52 |
| Gewicht | 13,1 kg |
| Schaltung | Shimano Deore LX |
| Rahmenkonzept | Zentralrohrrahmen |
Rahmenkonzept: Schweizerisch-italienische Co-Produktion
S-Bike fertigte seine Rahmen nicht im heimischen Schweizer Gefilde, sondern vertraute auf die Kompetenz des italienischen Rahmenspezialisten Verlicchi, der aus der Motorrad-Branche stammte. Das Konstrukteursteam um Chef-Designer Francesco Quinn warf dabei traditionelle Vorstellungen vom Fahrradrahmen über Bord: Heraus kam der für S-Bike typische Zentralrohrrahmen, der die wichtigsten Punkte des Fahrgestells – Steuerkopf und Hinterbau – in direkter Linie verband.
Der Daytona 726 bestand aus großdimensionierten Rechteckprofilen, die dem Rahmen eine gute Steifigkeit verliehen. Zwei zusätzliche Aluminiumbleche verstärkten die Konstruktion weiter. Dadurch ließ sich das Sitzrohr unter dem Gewicht des Fahrers nicht nach hinten biegen – ein konstruktiver Kniff, der allerdings auch seinen Preis hatte: Die Verarbeitung des Rahmens und der Schweißnähte beanspruchte aufgrund dieser Komplexität spürbar mehr Zeit.
Zeitgenössisches Testurteil: Der kurze Radstand und das recht leichtgängige Lenkverhalten ließen den Daytona durch enge Serpentinen schlängeln – auf zusätzlichem Aluminiumblech und durchdachter Zugverlegung lag damals echtes Know-how für sportliche Geländefahrer.
Ausstattung: Shimano Deore LX komplett
Der S-Bike Daytona 726 setzte auf eine komplette Shimano Deore LX-Gruppe – seinerzeit eine ungewöhnlich hochwertige Ausstattung, die kein anderes Bike im Testfeld zu diesem Preis bot. Ergänzt wurde die Gruppe durch einige markante Detaillösungen:
- Sattel: Selle Alpine mit eingebautem Federungssystem, das auf holprigen Pisten für ordentlichen Fahrkomfort sorgte
- Naben/Felgen: Ambrosio Dakota-Felgen, vergleichsweise schwer, aber von guter Verarbeitungsqualität
- Reifen: Mendo 2,10
- Vorbau & Lenker: Eigenmarke S-Bike
| Komponente | Spec |
|---|---|
| Schalthebel vorne | Shimano Deore LX |
| Schaltwerk/Umwerfer hinten | Shimano Deore LX |
| Bremshebel | Shimano Deore LX |
| Bremsen | Shimano Deore LX |
| Tretlager/Innenlager | Shimano Deore LX |
| Sattelstütze | Kalloy CroMoly |
| Steuersatz | YST |
Fahreigenschaften und Einsatzbereich
Beim Lenkverhalten zeigte sich der Daytona 726 deutlich leichtgängiger und neutraler als viele Testkonkurrenten – eine direkte Folge der kurzen Radstand-Geometrie. Diese Auslegung brachte aber auch eine Kehrseite mit sich: Bei steilen Abfahrten neigte das Rad schneller zu Überschlagsgefühlen, da der Fahrer relativ aufrecht über dem Vorderrad saß.
- Stärke: wieselflinkes Handling in engen, kurvigen Trialpassagen
- Schwäche: schnelle Abfahrten forderten durch die enge Sitzhaltung erhöhte Konzentration
- Komfort: der gefederte Selle Alpine-Sattel glich raue Untergründe spürbar aus
- Einsatzschwerpunkt: in erster Linie Trialfahrten im unwegsamen Gelände, weniger zügige Ausritte
Auch beim Preis-Leistungs-Verhältnis stach der Daytona 726 heraus: Kein anderes Testrad bot eine komplette Deore-LX-Ausstattung zu diesem Kurs – „eine Menge Holz“, wie es seinerzeit hieß, aber mit entsprechender Komponenten-Qualität gerechtfertigt.
Geometrie & technische Daten
| Maß (mm) | S-Bike Daytona 726 |
|---|---|
| Sitzwinkel | 73,5° |
| Lenkwinkel | 72° |
| Sitzrohrlänge | 495 |
| Oberrohrlänge | 570 |
| Kettenstrebenlänge | 405 |
| Radstand | 1040 |
| Tretlagerhöhe | 296 |
| Lenkerbreite | 580 |
| Vorbaulänge | 120 |
Auffällig war die im Vergleich zum Testfeld kurze Kettenstrebenlänge von nur 405 Millimetern – ein klares Indiz für die kompakte, wendige Auslegung des Rahmens. Mit einem etwas längeren Oberrohr oder Vorbau hätte sich das Fahrverhalten laut Testredaktion noch deutlich verbessern lassen.

Einordnung: Für wen war der S-Bike Daytona 726 gedacht?
Der S-Bike Daytona 726 stand sinnbildlich für jenes „bunte Potpourri von traditionellen Rad-Herstellern und innovativen, mutigen Bike-Spezialisten“, das die Schweizer Bike-Szene Anfang der Neunziger prägte. Mit seiner eigenwilligen Geometrie eignete sich das Rad in erster Linie für Trialfahrten im unwegsamen Gelände – schnelle, zügige Ausritte zählten dagegen nicht zu seinen Stärken.
Für Sammler und Retro-Schrauber bleibt der Daytona 726 heute vor allem wegen seines ungewöhnlichen Zentralrohrkonzepts interessant: ein Rahmen, der zeigte, wie sich italienisches Motorrad-Know-how und Schweizer Bike-Ambitionen kombinieren ließen – fernab von US-amerikanischen MTB-Vorbildern.
