Hagan Titanal Gen. 1: Das österreichische Hardtail im Retro-Check

Das Bike Hagan Titanal Gen. 1 der österreichischen Marke Hagan – einer Tochter von Ranshofen Alu, die wiederum zur Austria Metall AG gehörte – sorgte mit seiner Aluminium-Titan-Legierung „Titanal“ für Aufsehen. Wir haben die damaligen Eckdaten ausgegraben.

Hagan Titanal Gen. 1 Hardtail Retro-Bike

Inhaltsverzeichnis


Steckbrief: Hagan Titanal

EckdatenWert
Preis (1992)4.375 Mark
RahmenmaterialTitanal (Aluminium-Titan-Legierung)
Rahmengrößen47, 49, 51
Gewicht11,1 kg
Garantie5 Jahre auf Rahmen, Cab.
SchaltungShimano Deore XT, Rapidfire Plus

Rahmen & Material: Was steckte hinter Titanal?

Der Name war Programm: „Titanal“ bezeichnete die Aluminiumlegierung mit Titan-Zusätzen, die Hagan für den Rahmen einsetzte. Im Vergleich zu klassischen Alu-Legierungen versprach dieses Material eine höhere Zugfestigkeit und ein höheres Elastizitätsmodul. Ein Nachteil blieb allerdings: Die Legierung ließ sich nicht schweißen, weshalb Hagan beim Rahmenbau auf Muffen zurückgriff – und genau dort wurde besonders sorgfältig gearbeitet. Lackierung und Kabelführung fielen fehlerfrei aus.

Optisch setzte der Rahmen auf einen pechschwarzen Designer-Look, der das Bike unter den eher klassisch gehaltenen Konkurrenten wie dem Cilo Cherokee oder dem KTM Ultra Race auffallen ließ.

Zeitgenössisches Urteil: Besonders hervorgehoben wurden die ausgeglichenen Fahreigenschaften und das geringe Gewicht – für ein erschwingliches Rad mit „ausgefallenem“ Auftritt galt das damals als bemerkenswert.

Ausstattung: Shimano Deore XT mit Rapidfire Plus

Der Hagan Titanal setzte komplett auf eine Shimano Deore XT-Gruppe – inklusive der damals neuen Rapidfire-Plus-Schalthebel. Dazu kamen einige Komponenten, die als Highlights auffielen:

  • Naben: Campagnolo Mirox-Felgen für einen runden, stabilen Lauf
  • Sattel: Edco-Vierfachlagerung, nur 190 Gramm trotz hohem Sitzkomfort
  • Reifen: Continental Baja 1,9 – mit durchschnittlichem Grip bewertet, besonders bei Kurvenschrägstellung oder steilen Anstiegen
  • Lenker: Modolo
KomponenteSpec
Schalthebel vorneShimano Deore XT
Schaltwerk/Umwerfer hintenShimano Deore XT
BremshebelShimano Deore XT
Tretlager/InnenlagerShimano Deore XT / Edco
VorbauCroMoly
SattelstützeModolo
SteuersatzShimano Deore XT
Verarbeitung des Rahmens++

Fahreigenschaften

Im Fahrverhalten wurde der Hagan als spurtreu bis schwergängig eingestuft – eine Lenkcharakteristik, die zu einer eher komfortablen Fahrposition passte. Beim Einsatzbereich punktete das Bike vor allem im Tourensegment, reichte aber bis in den sportlichen Bereich hinein.

Im Einzelnen:

  • Bergauf: enorme Steigfähigkeit dank der Geometrie
  • Komfort: hohe Stabilität, da die Titanal-Legierung höhere Elastizität bot als klassisches Aluminium
  • Schwachpunkt: Bei schnellen Abfahrten oder steilen Anstiegen stieß die Geometrie an ihre Grenzen
  • Fazit: ein guter Allrounder mit einem sportlichen und tourenorientierten Einsatzbereich

Geometrie & technische Daten

Maß (mm)Hagan Titanal
Sitzwinkel74°
Lenkwinkel72°
Sitzrohrlänge490
Oberrohrlänge575
Kettenstrebenlänge435
Radstand1075
Tretlagerhöhe303
Lenkerbreite580
Vorbaulänge135

Einordnung: Für wen war der Hagan Titanal gedacht?

Der Hagan Titanal reihte sich neben Marken wie Cilo, Ferraroli, Marone oder Simplon Mythos ein – also genau in jenes Feld österreichischer und Schweizer Manufakturen, das damals gegen die übermächtige US-amerikanische MTB-Konkurrenz antrat. Mit seinem geringen Gewicht von 11,1 Kilogramm, der durchdachten Deore-XT-Ausstattung und dem markanten schwarzen Lack zählte das Titanal zu den Bikes, die zeigten, dass „Made in Austria“ Anfang der Neunziger durchaus mit dem amerikanischen Mythos USA mithalten konnte.

Für unser Archiv bleibt der Hagan Titanal damit ein gutes Beispiel dafür, wie europäische Hersteller in der frühen MTB-Ära eigene Materialwege gingen, statt US-Trends einfach nachzubauen.

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