Grip Shift: Als die Drehgriffe das Mountainbike-Cockpit eroberten
Wer in den 90ern Wert auf besonders schnelle Schaltvorgänge legte, kam an den Drehgriffschaltungen von Grip Shift kaum vorbei. Mitte der Neunziger verbauten rund 60 Prozent aller Bikehersteller die leichten Schalter aus Übersee. Während Shimano noch voll auf Rapidfire setzte, bot Grip Shift ein intuitives Schaltschema, eine kinderleichte Bedienbarkeit und vor allem ein unschlagbar geringes Gewicht. Und der Clou: die Drehschaltung war mit den Shimano – Komponenten zu 100% kompatibel. So konnte man auch nur die Schalthebel seiner Shimano – Gruppe gegen die Grip Shift Schalter austauschen.
Später gingen die Grip Shift – Komponenten dann in der Marke SRAM auf und haben sich neben Shimano heute als einer der top Komponentenherstellern etabliert.
Die SRT-Serie: Vom Einsteiger bis zum Kult-Objekt
Das Line-up von zb 1996 deckte alles ab – vom günstigen Brot-und-Butter-Bike bis hin zur High-End-Rennmaschine. Ein gemeinsames Merkmal aller SRT-Modelle war die robuste Stahlfeder, die für ein präzises Einrasten der Gänge sorgte.
SRT 400 & SRT 450 – Die solide Basis

Der Einstieg in die Welt des Drehens war erschwinglich. Für gerade einmal 69,- Mark bekam man das Set SRT 400.
SRT 450: Diese Variante kam inklusive integrierter Alu-Bremshebel für 99,- Mark – eine kompakte Lösung für cleane Cockpits.
Gewicht: Schlanke 140 g pro Paar.
Besonderheit: Große Nummernanziege für beste Orientierung im Eifer des Gefechts.
SRT 600 – Die goldene Mitte
Die SRT 600 war der Dauerbrenner an Mittelklasse-MTBs. Sie war sowohl in 7-fach als auch in 8-fach Versionen erhältlich und wog nur 135 g. Mit einem Preis von 89,- Mark bot sie das beste Preis-Leistungs-Verhältnis und war für größte Ritzel bis 34 Zähne ausgelegt.

SRT 800 X-Ray – Der transparente Kult

Das absolute Highlight für jeden Weight-Watcher und Ästheten war die SRT 800 X-Ray. Mit ihrem transparenten „Smoked Body“ Gehäuse gewährte sie freien Blick auf die Mechanik – ein Design-Statement, das heute auf jedem Retro-Treffen für Gesprächsstoff sorgt.
Einsatz: Legendär für „fastes front shifting“ und volle 8-fach Kompatibilität.
Preis: Stolze 139,90 Mark.
Gewicht: Sensationelle 125 g pro Paar.
Die X-Ray sah zwar unverschämt gut aus, aber man musste bei der Montage vorsichtig sein: Die Gehäuse neigten bei zu fest angezogenen Klemmschrauben oder aggressiven Reinigungsmitteln zu feinen Spannungsrissen. Wer heute noch ein rissfreies Paar im Fundus hat, sollte es hüten wie einen Schatz!
Experten-Tipp aus der Werkstatt
Die Revolution: Das ESP 900 System
1996 wagten die Amerikaner den Frontalangriff auf den Branchenprimus Shimano. Mit dem ESP 900 brachten sie ein eigenes Schaltwerk heraus, das der XT-Klasse Konkurrenz machen sollte.

Das Besondere am ESP-Schaltwerk:
Preis: Das komplette Set inklusive Drehgriffen kostete damals beachtliche 359,- Mark.
Materialmix: Ein Mix aus Carbonfiber Composite und Aluminium drückte das Gewicht des Schaltwerks auf nur 185 g.
Übersetzungsverhältnis: Es arbeitete mit einem anderen Seileinzug-Verhältnis (1:1), was es unempfindlicher gegenüber verschmutzten Zügen machte.
Lagerung: Gedichtete Kugellager sorgten für einen seidenweichen Lauf.
Technisch war das ESP-System simpel aufgebaut und extrem leicht. In der Funktion stand es einem XT-Schaltwerk in nichts nach – vorausgesetzt, man kombinierte es (ironischerweise) mit einem Ritzelpaket von Shimano, um die beste Performance zu erzielen.
