Corratec Diamant Grip Semislick

Jan Ostergaards Wahl und das Ende der Traktion
Der Reifen kostete zwischen 79,50 und 84,50 Mark und wog 530 Gramm. Er war in der Größe 26 x 2.1″ als Faltreifen erhältlich, wahlweise in Schwarz (harte Mischung) oder Rot (weiche Mischung). Jan Ostergaard nutzte ihn als seinen Weltcup-Hinterreifen.
Trotz des „gröberen“ Profils (wenn man das bei einem Semislick so nennen kann) wies der Reifen ein ruhiges Abrollverhalten auf Asphalt auf. Die zusätzlichen Stollen sorgten für eine sehr gute Traktion. Im Vergleich zum Diamant Slick griff er bergauf auch noch bei weichem Boden oder Wurzeln. In feingeschotterten Kurven erreichte er jedoch früh sein Limit und schmierte unkontrollierbar ab. Die Bremsleistung war gut; die sehr guten Laufeigenschaften und das geringe Gewicht brachten im Renneinsatz Vorteile. Bei Nässe hieß es: Finger weg von den Bremsen und Fuß raus. Er hielt jedoch vergleichsweise gut die Spur.
Der Einsatzbereich war sehr schmal, es fehlte die Extremtauglichkeit und das Gewicht war relativ hoch. Daher wurde er nur für den Hobbyeinsatz bei Schönwetter empfohlen, obwohl Profi Ostergaard dennoch auf ihn schwor.
Der „kleine Bruder“ – Corratec Diamant Slick
Dann war da noch der Diamant Slick. Ein Reifen, der auch damals eher ein Fall für Mutige war. Jan Ostergaard fuhr ihn als Vorderreifen im Weltcup – eine Wahl, die wohl nur ein Profi mit gottgleichen Reflexen treffen konnte.
- Der Deal: Für schmale 59,50 Mark war man dabei.
- Gewicht: Mit 595 Gramm als Drahtreifen war er schwerer als sein griffiger Bruder.
Die bittere Realität im Gelände
Auf Asphalt war er ein Traum – leichtgängig, ruhig, fast wie ein Rennrad. Doch sobald es bergab ging, zeigte der Slick sein wahres Gesicht. Die weit auseinanderliegenden Seitenstollen sorgten für ein unruhiges Fahrverhalten. In Kurven rutschte er früh weg, und bei Feuchtigkeit war man, wie es im Katalog so schön hieß, schlichtweg „chancenlos“. Er war ein reiner Schönwetter-Reifen für die Schotterpiste. Dass Ostergaard darauf schwor, zeigt nur, aus welchem Holz die Jungs damals geschnitzt waren.
Fazit aus der Retrospektive
Ich bin den Corratec Diamant Grip damals eine Zeit lang selbst gefahren, allerdings sowohl am Vorderrad wie auch am Hinterrad. Unter sehr trockenen Bedingungen war es super. Aber das beschränkte sich im Wesentlichen auch auf die „Waldautobahnen“. Mit zunehmender Trail-Schwierigkeit wurde es dann aber auch kniffliger. Um keine Durchschläge zu riskieren, hatte ich ordentlich Druck auf dem Reifen, was für den Grip dann auch nicht förderlich war…
Der Diamant Grip war ein seriöser Sportreifen, der den Spagat zwischen Gewicht und Traktion suchte, während der Slick ein Zeugnis der damaligen Experimentierfreude war – oft an der Grenze zur Unfahrbarkeit, aber mit dem Glanz des Weltcups versehen.
Diese Reifen waren keine Allrounder; sie waren Spezialisten für eine Zeit, in der Mountainbiken noch echtes Handwerk und ein bisschen Wahnsinn war.
