Cannondale The Raven von 1997

Cannondale „The Raven“ – Die Rahmen-Revolution, die die Bike-Welt spaltete
Im Jahr 1997 kündigte der amerikanische High-Tech-Hersteller Cannondale eine Sensation und eine Revolution im Rahmenbau an: das Mountainbike „The Raven“ (dt.: Rabe). Es basierte auf einer völlig neuartigen Rahmenkonstruktion, die aus einem Aluminiumrückgrat und einer Carbonhaut bestand.
Das revolutionäre Rahmenkonzept
Das Konzept des neuartigen Full-Suspension-Bikes ähnelte einem organischen Körper. Der Rahmen setzte sich aus einem filigranen Aluminium-Gerippe zusammen, das von einer dünnen Carbonhaut umschlossen wurde.
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Das Aluminium-Rückgrat (Skeleton) bildete das Skelett und wurde aus einer etwa zwei Zentimeter starken Platte herausgefräst. Es durchzog den gesamten Rahmen.
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Diese Aluminium-Struktur verband die hochbelasteten Stellen wie das Steuerrohr, das Tretlager, den Schwingendrehpunkt und die Sattelstütze fest miteinander. Das Aluminium übernahm hierbei die Versteifung und Festigkeit, während das Carbon nur eine stützende Funktion hatte.
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In die schmalen Aluminiumstege, die nur an wenigen Punkten zur Versteifung miteinander verbunden waren, wurden seitlich schmale Nuten eingefräst.
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In diese Nuten klebte man auf beiden Seiten halbrunde Halbschalen aus Kohlefaser mit Epoxy ein.
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Diese schwarze Carbonhaut (Skin) gab dem Rahmen seine Form und sorgte im Verbund mit dem Aluminium für seine Steifigkeit. An stark belasteten Stellen wies das Carbon dabei eine höhere Wandstärke auf.
Versprochene Vorteile: Leichtigkeit und Steifigkeit
Cannondale-Chef Joe Montgomery versprach für das Raven herausragende technische Daten:
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Gewichtsersparnis: Der Rahmen sollte knapp 500 Gramm weniger Gewicht als herkömmliche Rahmen aufweisen. Konkret sollte das Rahmengewicht knapp 500 Gramm unter dem eines Super V Active liegen.
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Steifigkeit: Montgomery stellte eine zwei- bis dreimal höhere Steifigkeit gegenüber herkömmlichen Rahmen in Aussicht. Die Steifigkeit sollte dabei doppelt so hoch sein wie beim Super V Active.
Einsatzzweck und Federweg
Das Raven war als leichtes Cross‑Country‑Fully gedacht, basierend auf der Super‑V‑Plattform mit rund 100–120 mm Federweg am Heck, je nach Version und Dämpfer. Vorn kamen Cannondales eigene einbeinige Fatty-/Super‑Fatty‑Gabeln mit um 60–80 mm Federweg zum Einsatz, was damals für XC‑Rennen üblich war.



Ausstattung und Preis
Das Raven sollte die gleiche Hinterbauschwinge wie das Super V Active mit zehn Zentimeter Federweg erhalten. Zudem sollte es mit einer Monofork ausgestattet sein. Cannondale lag nicht nur bei der Innovationskraft, sondern auch beim Preis an der Spitze: Das Raven sollte zwischen 8000 und 9000 Mark kosten.
Cannondales Europa-Manager Beppo Hilfiker gab den Dezember 1996 als ersten Liefertermin an. Dennoch kamen freilich Zweifel auf, ob das Projekt jemals in Produktion gehen würde.
Der Grund für die Skepsis lag in der Vergangenheit: Knapp drei Jahre zuvor hatte Cannondale bereits mit dem spektakulären V 4000 Furore gemacht, doch das futuristische Gerät war dann doch nicht erschienen. Weil er vorher eine entsprechende Wette abgeschlossen hatte, musste Joe Montgomery damals seinen Hut verspeisen. Montgomery versicherte jedoch, dass er diesmal seinen Hut bestimmt nicht essen müsse.
Modelljahre und Varianten
Die Raven‑Baureihe ging in Produktion, lief nur wenige Jahre (Ende 90er, grob 1998 bis Anfang 2000er, mit Ankündigung/Katalogeintrag 1997), was sie heute zu einem gesuchten Kult‑Objekt macht. Es gab verschiedene Ausstattungsstufen (z.B. Raven 900 SX und leichtere SL‑Varianten) mit CAAD‑Alu-Hinterbau, Fox‑Dämpfer und teils sehr hochwertiger XC‑Komponentengruppe.
Das auffällige Design mit Carbon-Skin und einarmiger Gabel, die kurze Bauzeit und der Ruf als „exotisches Hightech-Experiment“ machen das Raven heute zu einem Sammlerstück im Vintage‑MTB‑Bereich. Gleichzeitig erfordert der Verbundaufbau (Magnesium-/Alu‑Rückgrat plus Carbonhaut) bei alten Rahmen genaue Prüfung auf Risse und Delamination, bevor man sie ernsthaft im Gelände fährt.
